Privatschulen boomen – aber wer kann sich das leisten?

Privatschulen genossen nicht immer einen guten Ruf. Oft waren es Eltern, die mit ihren Kindern einfach nicht mehr weiterwussten, die ihre Sprösslinge auf Internate schickten. Frei nach dem Motto: Dort wird mein Kind schon Manieren lernen. Heute hat sich dieses Bild grundlegend geändert. Wenn Eltern Kinder auf eine privat finanzierte Schule schicken, erhoffen sie sich davon vor allem eines: einen Bildungsvorteil. Doch dieses Vorhaben will auch finanziert werden. Aber kann sich tatsächlich nur die gutbetuchte Elite eine Privatschule leisten?

mit gleichem Outfit sitzen in Klassenraum an Tischen und lernen.
So soll es sein: Schüler büffeln eifrig in der Privatschule.
(Bilderquelle: Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Laut dem Statistischen Bundesamt können in Deutschland derzeit über 5.800 Privatschulen gezählt werden. Damit ist der Anteil privat finanzierter Bildungseinrichtungen für Schüler an der Gesamtzahl an Schulen in Deutschland gar nicht so gering. Dies hat natürlich auch mit der hohen Nachfrage zu tun, denn immer mehr Eltern wollen ihre Kinder auf eine Privatschule geben, um ihnen die bestmögliche Ausbildung zu garantieren.

Entgegen der landläufigen Meinung ist dieser Trend aber nicht erst seit der Veröffentlichung der ersten PISA-Ergebnisse aus dem Jahr 2001 zu beobachten. Bereits seit den neunziger Jahren wächst die Schülerzahl, die an Privatschulen in Deutschland eingeschrieben sind, Jahr für Jahr im Schnitt um circa 22.000 Schüler an.

Verglichen mit anderen europäischen Ländern sind diese Zahlen aber immer noch sehr klein. Private Schulen haben gemessen an der Gesamtzahl der Bildungsinstitutionen für Schüler gerade einmal einen Anteil von circa acht Prozent. Zum Vergleich: In Spanien liegt der Anteil bei 32 Prozent, in den Niederlanden gar bei 70 Prozent.

Infografik über Privatschulen in Deutschland
Infografik: Privatschulen in Deutschland – Zahlen und Fakten. Infografikquelle: privatschulen-ratgeber.org

Und unser westlicher Nachbar hat gute Gründe, weiter in die staatliche Finanzierung von Privatschulen zu investieren. Denn im PISA-Test schnitten niederländische Schüler deutlich besser ab als die deutschen – ein guter Grund für deutsche Eltern, das eigene Kind ebenfalls auf die Privatschule zu schicken. Doch können sich dies Ottonormalverbraucher überhaupt leisten?

So viel kosten Privatschulen in Deutschland

Dass es Privatschulen in Deutschland überhaupt geben darf, liegt in der Weimarer Reichsverfassung begründet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die allgemeine Schulpflicht in der Verfassung statuiert. Dies hatte vor allem mit dem sozialpolitischen Ziel zu tun, Deutschland aus der Monarchie in eine demokratische Grundordnung zu überführen. Und dies sah ebenfalls vor, der Trennung der Schichten entgegenzuwirken, die bereits in der Schule ihren Anfang nahm.

Trotzdem gab es die Möglichkeit, private Schulen zu gründen. Grundvoraussetzung hierfür war, dass diese vom Staat genehmigt werden mussten und den vom Staat definierten Lehrzielen nicht entgegenstehen durften. Tatsächlich ging der Artikel 147 der Weimarer Reichsverfassung fast nahtlos in das deutsche Grundgesetz über:


Art. 7 (4) GG

(4) Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen.

Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Lehrkräfte nicht genügend gesichert ist.


Rein rechtlich müssen sich Eltern also nicht sorgen, dass ihrem Kind an einer privaten Schule standardisierte Bildungsinhalte verwehrt bleiben. Aber wie sieht es mit den Kosten aus? An den renommierten Privatschulen in Berlin, der Berlin Metropolitan School und der Berlin Cosmopolitan School, können monatliche Gebühren bis zu knapp 800 Euro anfallen. Solche Schulgebühren wollen erst einmal finanziert werden.

Aber es geht auch günstiger. Am Ende ist die Höhe des Schulgeldes auch immer von der Trägerschaft und dem Angebot abhängig. Nordrhein-Westfalen beispielsweise unterstützt private Schulen, indem es teilweise bis zu 94 Prozent der Kosten übernimmt.

  • Im Schnitt müssen Eltern für eine Ganztagsbetreuung an privaten allgemeinbildenden Schulen mit 300 bis 400 Euro pro Monat rechnen.
  • Schulen mit kirchlicher Trägerschaft sind deutlich günstiger. Hier liegen die durchschnittlichen monatlichen Schulgelder nur bei 50 Euro.
  • Internate mit Wochenendbetreuung können Eltern bis zu 1.800 Euro im Monat kosten.
  • Internate mit kirchlicher Trägerschaft sind wiederum günstiger. Hier muss zwischen 400 und 1.200 Euro gezahlt werden pro Monat.
  • In Ausnahmefällen können Eltern Unterstützung bei Jugend- und Sozialämtern beantragen. Diese wird aber nur gewährt, wenn ein Internatsaufenthalt zwingend notwendig ist, beispielsweise bei diagnostizierter starker Lernschwäche.

Privatschule ist nicht gleich Privatschule

Wer mit dem Gedanken spielt, sein Kind an eine Privatschule anzumelden, der sollte neben den Kosten aber auch berücksichtigen, dass es viele verschiedene Arten von Privatschulen gibt, die wiederum allesamt ein unterschiedliches Bildungskonzept verfolgen. Grundsätzlich sollten Eltern die individuellen Voraussetzungen ihres Kindes berücksichtigen und auf deren Grundlage entscheiden, welches Bildungsangebot dem Kind am ehesten zusagt.


Video: Die Privatschule in Salem am Bodensee zählt zu den bekanntesten privaten Bildungseinrichtungen in Deutschland.

In Deutschland wird der Großteil der Privatschulen von der evangelischen und katholischen Kirche unterhalten. Rund 80 Prozent aller Privatschulen besitzen einen konfessionellen Hintergrund. Danach folgen die Waldorfschulen. Der Rest macht weniger als zehn Prozent des Gesamtanteils aus. Gerade deswegen ist der Wunsch, das Kind an der Privatschule ausbilden zu lassen, oft auch mit logistischen Herausforderungen verbunden. Denn die nächste Privatschule ist meist einige Kilometer vom Wohnort entfernt.

Privatschulen sind übrigens nicht an die staatlich vorgegebenen Lehrpläne gebunden. Sie müssen sich zwar an diesen orientieren, diese aber nicht gänzlich einhalten. So dürfen beispielsweise die Fächer Deutsch oder Mathematik nicht außenvorgelassen werden, sie können aber auf eine vollkommen andere Art und Weise als an der staatlichen Schule unterrichtet werden.

Solange der Lehrplan der Privatschule nicht dem Wesen des deutschen Grundgesetzes widerspricht, ist nahezu alles erlaubt. Eltern sollten sich daher ausgiebig mit den Lehrplänen der gewünschten Privatschule auseinandersetzen und dann entscheiden, ob das Bildungsangebot dem staatlichen Lehrplan tatsächlich voraus ist. Immerhin wird ja genau dafür sehr viel Geld bezahlt.